
Das Ziel der Behandlung ist die größtmögliche Selbständigkeit des Patienten im Alltag. Funktionsverluste müssen nicht zwangsläufig dazu führen, dass ein Mensch in sämtlichen Lebensbereichen auf Hilfe angewiesen ist.
Die Ergotherapie fördert die Selbständigkeit durch:
- Sensomotorisch – perzeptive Behandlung
- Motorisch – Funktionelle Behandlung
- Bei Bedarf: Hirnleistungstraining / neuropsychologisch orientierte Behandlung
Dabei wird stets Bezug auf die Lebenssituation und die individuellen Ressourcen genommen.
Therapieziele können sein:
- Selbständigkeit in der Selbstversorgung (z.B. Ankleiden, selbständig Mahlzeiten einnehmen können, in einen PKW ein- und aussteigen können, den Rollstuhl selbständig fortbewegen können, schreiben)
- Selbständigkeit in der Produktivität (z.B. am PC schreiben können, den Haushalt führen, heimwerken)
- Selbständigkeit in der Freizeitausführung (z.B. Kreuzworträtsel ausfüllen, mit dem Rollstuhl sportlich aktiv werden, Karten spielen)
Hierbei können auch Kompensationsstrategien erarbeitet, Hilfsmittelberatungen und –anpassungen, Angehörigenschulungen und Lebensumfeldberatungen durchgeführt werden.
Bobath für Erwachsene in der Ergotherapie
Bobath bezeichnet eine Behandlungsmethode, die von der Krankengymnastin Berta Bobath und ihrem Mann, dem Neurologen Dr. Karel Bobath entwickelt und nach ihnen benannt wurde. Konzipiert wurde diese Behandlungsmethode ursprünglich für Säuglinge und Kleinkinder, die aufgrund einer frühen Hirnschädigung bewegungsgestört sind (z. B. Spastiker, Athetotiker). Modifiziert wird die Bobath-Methode auch in der Erwachsenentherapie angewandt und orientiert sich dabei stets an den Erkenntnissen der Neurophysiologie und der aktuellen Forschung.
Ziel der Behandlung ist es, den Patienten über Bewegungserfahrungen sensomotorisches Lernen zu ermöglichen, die Eigenaktivität aufzugreifen, zu verstärken und ggf. zu modifizieren („Selbstorganisation“) um eine Wiederaufnahme des Alltages zu gewährleisten. Im Vordergrund der Behandlung stehen dabei u. a. die Schulung von Haltungs- und Bewegungsmustern, Mobilitätsverbesserung sowie Selbsthilfetraining.
Das Affolter – Konzept
Bei neurologischen Erkrankungen können nicht nur körperliche Funktionen gestört sein. Beeinträchtigt sind oftmals auch Gedächtnis, Körperbewusstsein, räumliche und zeitliche Wahrnehmung.
Das Affolter – Konzept, das auch „geführte Interaktionstherapie“ genannt wird, wurde von der Logopädin und Psychologin Dr. Felice Affolter entwickelt. Sie wurde dabei stark von Jean Piaget und dessen lerntheoretischen Annahmen beeinflusst, die sie um neue Erkenntnisse in der Psychologie und der Informationsverarbeitung erweiterte.
Das Ziel dieser Therapieform ist, das ein Mensch lernt sich mit seinem Umfeld, im Rahmen problemlösender Alltagsgeschehnisse, auseinanderzusetzen. Durch gezieltes therapeutisches Führen, an den Händen und am Körper des Menschen, wird eine Beziehung zwischen Mensch und Umfeld hergestellt. Es wird ihm geholfen mit seiner Umgebung in Kontakt zu kommen und diese zu beeinflussen, sodass er wieder lernt sein Umfeld selbständig zu gestalten und Problemlösungen während der Ausführung von Handlungen findet.
Sensorische Integrationstherapie nach Ayres
Entwickelt wurde die sensorische Integrationstherapie von der amerikanischen Ergotherapeutin und Psychologin Jean Ayres. Zur Anwendung kam das Konzept bisher vor allem bei Kindern, inzwischen wird es aber auch in der Therapie Erwachsener eingesetzt.
Sensorische Integration bezeichnet das komplexe Zusammenspiel der Sinnessysteme und –qualitäten. Ziel der Therapie ist es Menschen mit Wahrnehmungsstörungen in der Verarbeitung von Reizen zu unterstützen, um optimale Anpassungsreaktionen zu erhalten. Dadurch entsteht eine verbesserte Handlungskompetenz, eine höhere Selbstsicherheit und somit eine vermehrte Selbständigkeit im Alltag. Bei der Behandlung sollen durch gezielte Reizzufuhr die Verarbeitung und die Integration von Sinneseindrücken verbessert und damit die Planung und Organisation von adaptiven Verhalten gefördert werden.
Das Konzept der Sensorischen Integrationstherapie ist problemorientiert, d.h. es stehen weniger die gestörten Funktionen im Vordergrund, sondern die möglichen Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags.
Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation in der Ergotherapie
Die PNF-Methode wurde von dem Neurophysiologen Herman Kabat und der Physiotherapeutin Margaret Knott in den USA entwickelt. Anfangs wurde dieses Konzept lediglich bei Menschen mit Poliomyelitis angewendet, aufgrund der guten Erfolge aber inzwischen auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt.
P = Propriozeptoren
Druck- und Dehnungsrezeptoren, die die Lage des Körpers ans Nervensystem weiterleiten. Diese befinden sich in Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln und Bindegewebe.
N = neuromuskulär
Reizverarbeitung zwischen Muskulatur und Nervensystem.
F = Fazilitation
Therapeutische Stimulation der Rezeptoren durch Druck, Dehnung, Entspannung. Dadurch werden gestörte Bewegungsabläufe normalisiert und der Körper bewusst gespürt.




